Was ist ein Lastgang?
Ein Lastgang (auch Lastprofil oder Lastgangkurve) ist die zeitliche Aufzeichnung Ihres Strombezugs. Bei Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung (RLM) – in der Regel ab 100.000 kWh Jahresverbrauch – erfasst der Zähler die bezogene Leistung in Viertelstunden-Werten. Über ein Jahr sind das rund 35.000 Messwerte.
Kleinere Verbraucher werden dagegen meist über ein Standardlastprofil (SLP) abgerechnet. Hier gibt es keinen gemessenen Lastgang, sondern nur den Zählerstand. Mit einem modernen Messsystem oder eigenen Unterzählern lässt sich der Verbrauch aber auch hier zeitlich auflösen.
Auf der Stromrechnung sehen Sie nur Summen: Jahresverbrauch und Höchstleistung. Erst der Lastgang zeigt, wie diese Werte zustande kommen – und wo Sie ansetzen können.
So lesen Sie Ihren Lastgang
Ein typischer Werktag eines Produktionsbetriebs sieht vereinfacht so aus:
- ① Lastspitze: Der höchste Viertelstundenwert im Jahr bestimmt den Leistungspreis. Oft entsteht er nur, weil morgens viele Verbraucher gleichzeitig anlaufen.
- ② Kappungsgrenze: Wird die Spitze durch gestaffeltes Anfahren, Steuerung oder einen Speicher begrenzt, sinkt die abgerechnete Höchstleistung.
- ③ Grundlast: Was nachts und am Wochenende läuft – Druckluft, Kühlung, Lüftung, Standby. Jedes Kilowatt Grundlast läuft rund 8.760 Stunden im Jahr.
Was eine Lastspitze kostet
Bei RLM-Kunden besteht das Netzentgelt aus einem Arbeitspreis (pro kWh) und einem Leistungspreis (pro kW). Abgerechnet wird beim Leistungspreis in der Regel die höchste Viertelstunden-Leistung des Jahres. Eine einzige Spitze kann so die Netzkosten für zwölf Monate festlegen.
Die Höhe des Leistungspreises unterscheidet sich je nach Netzbetreiber, Spannungsebene und Benutzungsstunden deutlich. Den genauen Wert finden Sie auf Ihrer Netzrechnung oder im Preisblatt Ihres Netzbetreibers. Mit dem Rechner unten können Sie Ihr Einsparpotenzial grob abschätzen.
Rechner
Was kostet Ihre Lastspitze?
Grobe Abschätzung der jährlichen Ersparnis beim Leistungspreis, wenn Ihre Höchstleistung sinkt.
Vereinfachte Schätzung ohne Arbeitspreis, Umlagen und Steuern. Der voreingestellte Leistungspreis ist ein Beispielwert – bitte durch den Wert Ihres Netzbetreibers ersetzen.
So bekommen Sie Ihren Lastgang
- Zuständige Stelle finden: Netzbetreiber bzw. Messstellenbetreiber stehen auf Ihrer Stromrechnung.
- Kundenportal prüfen: Viele Betreiber stellen Lastgänge im Portal zum Download bereit.
- Sonst per E-Mail anfragen: Mit Marktlokations- oder Zählpunktnummer den Lastgang der letzten 12 Monate als Excel- oder CSV-Datei anfordern.
- Zur Auswertung weitergeben: Wenn Sie unsicher sind, übernehmen wir die Anfrage für Sie.
Was wir in der Lastganganalyse untersuchen
- LastspitzenWann entstehen sie, wodurch – und wie teuer sind sie?
- GrundlastWas läuft nachts und am Wochenende, obwohl es nicht muss?
- Tages- und WochenprofilPasst Ihr Verbrauch zu günstigen Strompreiszeiten?
- BenutzungsstundenWie gleichmäßig nutzen Sie Ihre Leistung – und was bedeutet das für Ihr Netzentgelt?
- FlexibilitätWelche Verbraucher lassen sich zeitlich verschieben?
- Speicher-PotenzialLohnt sich Peak Shaving mit einem Batteriespeicher?
Typische Maßnahmen nach einer Lastganganalyse
Viele Maßnahmen kosten wenig oder nichts – sie müssen nur jemandem auffallen:
- Maschinen, Öfen oder Kompressoren gestaffelt statt gleichzeitig anfahren
- Grundlast senken: Druckluftleckagen, Lüftung und Beleuchtung außerhalb der Betriebszeiten
- Lastmanagement: Verbraucher bei drohender Spitze kurz abschalten oder drosseln
- Verbrauch in günstige Stunden verschieben – interessant bei dynamischen Stromtarifen
- Batteriespeicher zur Lastspitzenkappung, ggf. kombiniert mit PV
Als Ergebnis erhalten Sie einen verständlichen Bericht mit Kennzahlen, Grafiken und einer priorisierten Maßnahmenliste. Die Lastganganalyse ist als Einzelprojekt möglich oder als Teil einer laufenden Betreuung, bei der wir Ihr Profil regelmäßig auswerten.
Häufige Fragen
Woher bekomme ich meinen Lastgang?
Von Ihrem Netz- oder Messstellenbetreiber, meist als Excel- oder CSV-Datei über das Kundenportal oder auf Anfrage. Wenn Sie unsicher sind, helfen wir bei der Anfrage.
Welcher Zeitraum ist sinnvoll?
Idealerweise ein volles Jahr, damit saisonale Effekte sichtbar werden. Für eine erste Einschätzung reichen auch einige Monate.
Brauche ich dafür neue Messtechnik?
Nein. Für die Analyse genügt der vorhandene RLM-Zähler. Ob zusätzliche Unterzähler sinnvoll sind, zeigt sich oft erst in der Auswertung.
Was ist der Unterschied zwischen Lastgang und Lastprofil?
Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet. Genau genommen ist der Lastgang die gemessene Kurve Ihres Betriebs, ein Lastprofil kann auch ein standardisiertes Muster sein, etwa das Standardlastprofil für kleinere Verbraucher.